Berg am Laimer Theater: Kastanien, Maikäfer und ein widerspenstiger Bach

Was hat die Kastanie mit Berg am Laim zu tun? Erfahren konnte man das beim schönen Schlusspunkt des von der Initiative ins Leben gerufenen „Berg am Laimer Jahres für Demokratie“: Improvisationstheater mit den Menschen und für die Menschen, die am vergangenen Mittwoch (9. Mai, Europatag!) in den Saal der Gemeinschaftsunterkunft an der Berg-am-Laim-Straße gekommen waren (wirklich netter Veranstaltungsort übrigens, dürfte gerne noch bekannter werden…). Ein schöner Schlusspunkt – und vor allem wirklich ziemlich witzig.

Die „demokratische“ Idee hinter der Sache: so ein Improvisationstheater, das sich unseren Stadtteil Berg am Laim als Thema vornimmt, funktioniert nur, wenn sich auch die Zuschauer einbringen. Umso mehr, weil von den Profis vom Improvisationstheater fastfood keiner selbst aus Berg am Laim kommt – als am Anfang alle „ihre“ Stadtteile outen, bringt das den Schwabingern durchaus ein gespielt feindseliges „Uuuuuuh“ und „Öha“ ein. Aber neue Grenzen wurden an diesem Abend dann doch nicht gebaut, keine neuen Mauern hochgezogen – im Gegenteil: das Nebeneinander der Ur-BergamlaimerInnen und Neu-MünchnerInnen (auch einige BewohnerInnen der Gemeinschaftsunterkunft waren, sichtlich amüsiert, voll dabei) war bis zuletzt äußerst friedfertig, freundschaftlich und gut gelaunt.

Aber was hatte es jetzt mit dieser Kastanie auf sich? Um die SchauspielerInnen zu stadtteilspezifisch zu inspirieren, haben einige Berg am Laimerinnen nette kleine Anekdoten aus dem Stadtteil erzählt. Einer davon war Tom Garrecht, örtlicher Künstler, der vor einigen Jahren mal selbst ein großes Berg am Laimer Erzählprojekt ins Leben gerufen hatte. Und eine der Geschichten damals drehte sich eben um die Kastanie, genauer um den Kastanienschäler – denn vor vielen Jahren gab es in Berg am Laim (dort, wo jetzt die „Macherei“ an der Berg-am-Laim-Straße entstehen soll) mal eine Firma, die Venensalbe aus Kastanien hergestellt hat. Und viele Kinder hier haben sich so ein paar Pfennig dazuverdient – indem sie der Firma Säcke mit geschälten Kastanien verkauft hatten. Klar, dass das Stoff war für viele gespielte Kastaniensequenzen – von der widerwillig sich der Schälung hingebenden Kastanie bis zur müden Madame mit den wehen Beinen war alles dabei.

Überhaupt, über einen Mangel an Kreativität konnte man sich an diesem Abend nicht beschweren: Einmal kringelten sich die ZuschauerInnen über ein Dreierverhältnis am Innsbrucker Ring zwischen einer Frau, ihrem Mann und dessen Chef (der ein Verhältnis hat mit der Frau, aber nach der Aufdeckung des Verhältnisses eigentlich keine rechte Lust mehr darauf hat – weil ihm jetzt nämlich der Kick des Geheimnisses fehlt…). Ein andermal brach großes Gelächter aus, als sich herausstellt, dass der Brutalo-Typ aus der Maikäfersiedlung von vor dreißig, vierzig Jahren (die Siedlung muss echt mal berüchtigt gewesen sein!) dem jungen Mann aus Ramersdorf, den er von den Maikäfersiedlungs-Mädels fern halten möchte, körperlich doch ziemlich haushoch unterlegen ist. Und am Ende gab es sogar noch ein Liedchen – über einen Bach (Insider werden ihn als den Hachinger Bach erkennen), der partout nicht zurück an die Oberfläche möchte.

So war das wirklich ein schöner Abend, auch hinterher gab es noch Gelegenheit zum Erzählen, sogar bei Knabbersachen und Getränken durfte man nach Belieben zugreifen. Gleichzeitig war es ein Abend, der deutlich machte, dass noch einiges zu tun bleibt – während es zwischendurch immer wieder sehr gut besuchte Aktionen gab, waren hier – wie ganz am Anfang, beim Fest für Demokratie – für die große Qualität der Veranstaltung zu wenig Leute gekommen. Die Hausaufgabe bleibt damit, auch für’s kommende Jahr: wie können wir noch mehr Menschen erreichen, und sie für Demokratie, Freiheit und Europa begeistern?

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