„Da müssen wir was ändern“ – Erfahrungen aus dem Berg am Laimer Kinder- und Jugendparlament

„Wow!“ Als SchülerInnen der Ludwig-Thoma-Realschule einen Blick in ihre Mensa werfen, erkennen sie diese kaum wieder: Vor einer mit Lautsprechern und Mikrofonanlage ausgestatteten Bühne sind Stuhlreihen einladend in einem angedeuteten Halbkreis aufgebaut, am anderen Ende des Raums gibt es ein kleines Buffet, die Fensterfronten setzen eine Ausstellung von Fotos und Plakaten in Szene. Es gibt einen guten Grund, warum sich die Mensa so herausgeputzt hat, hoher Besuch wird erwartet: die TeilnehmerInnen des Berg am Laimer Kinder- und Jugendparlaments.

Am 16. März war es so weit, Kinder und Jugendliche aus dem Stadtteil im Münchner Osten konnten vor zahlreichen VertreterInnen des Stadtrats, des Bezirksausschusses und der Stadtverwaltung ihre Anliegen und Ideen vorbringen, wie sich ihrer Meinung nach das eigene Lebensumfeld verbessern lässt. Im Vorfeld hatte sich bereits in den Vorbereitungsworkshops – durchgeführt an vier Berg am Laimer Schulen und am Jugendtreff Zeugnerhof – eine so hohe Beteiligung angekündigt, dass die VeranstalterInnen aus Kapazitätsgründen die Begeisterung fast ein bisschen bremsen mussten. Trotzdem wurden vor Ort dann doch noch einige Stuhlreihen nachgerüstet, die Mensa war mit 70 Kindern und Jugendlichen, dazu kamen auch noch einige Erwachsene, voll besetzt.

Und was waren die Anliegen der Kinder und Jugendlichen? Beachtliche zehn Anträge wurden insgesamt in den gut zwei zur Verfügung stehenden Stunden diskutiert, sie reichten von Klagen über die stellenweise Verwahrlosung des öffentlichen Raums – mit Müll, vulgären Graffiti und, nicht zuletzt, Hundekot – über die Problematisierung der Verkehrslage und den Wunsch nach Aufwertung des Pausenhofs der Mittelschule am Inzeller Weg bis zu einem Plädoyer für mehr Unterstützung für minderjährige Geflüchtete beim Deutschlernen. Die Kinder und Jugendlichen präsentieren ihre Anliegen mal professionell mit einer Powerpoint-Präsentation, mal eindrücklich mit einem kleinen Theaterstück. Kein Wunder also, dass am Ende alle Anträge – mal mehr und mal weniger eindeutig – angenommen wurden. Für die erwachsenen PatInnen, die sich jetzt um die Anträge kümmern, geht die Arbeit damit aber erst los: Sie müssen nun ausloten, was davon sich wie (und vor allem auch: wie schnell) umsetzen lässt. Wahrscheinlich lassen sich nicht alle Wünsche erfüllen, auch diese Einsicht gehört zum demokratischen Handeln dazu. Vor allem aber baut Demokratie auf den Erfahrungen auf, die sich mit „das geht mir genauso“, „das habe ich auch schon erlebt“, „da müssen wir was ändern“, „da können wir was bewirken“ und „auch ich kann meinen Beitrag dazu leisten“ artikulieren lassen. Und diese Erfahrungen haben die Kinder und Jugendlichen beim Parlamentstag in jedem Fall mitgenommen.

Sehr zufrieden waren am Ende die Vertreterinnen der drei veranstaltenden Institutionen. Mit gutem Grund haben sich Sibylle Brendelberger (Kultur & Spielraum e.V.), Jenni Brichzin (Initiative Berg am Laim für Demokratie, Freiheit und Europa) und Barbara Rink (BildungsLokal Berg am Laim/Ramersdorf) bei der Organisation dieser Veranstaltung zusammengetan: „Eine kindgerechtere Stadt, die Förderung demokratischer Kultur und die Stärkung politischer Bildung sind drei Ziele, die wunderbar zusammenpassen und für die sich der Einsatz mehr als lohnt“, meint Barbara Rink dann auch hinterher. „Das konnte man hier live beobachten.“

Ein Gedanke zu „„Da müssen wir was ändern“ – Erfahrungen aus dem Berg am Laimer Kinder- und Jugendparlament

  1. Die Sitzung des Berg-am-Laimer Kinder – und Jugendparlaments habe ich nicht miterlebt, konnte aber anlässlich der 1. Stadtteilkonferenz, die am 12. April 2018 statt fand eine Abordnung eben dieser Jugendlichen auf der Bühne erleben, die mit viel Engagement ihre Anliegen vortrugen. Veranstaltet vom Stadtteilforum und Prominenz aus Bezirksausschuss, örtlichen Vereinen Einrichtungen und Initiativen wurden dann aus Erwachsenensicht die Probleme gewälzt und die Wünsche formuliert, die eine engagierte Berg-am-Laimer Bevölkerung so umtreiben. Angesichts der Möglichkeiten, die das benachbarte (reichere) Trudering und das (hippere) Haidhausen haben wirkt Berg-am-Laim irgendwie verloren, mit seinen lauten Durchgangsstraßen, kalten Büroneubauten und Kulturprotzplanung, die bestimmt nicht die Zielgruppe Berg-am-Laimer Bevölkerung im Visier hat, sondern der Selbstdarstellung der Entscheider in Stadt und Land dient. Da werden Bioläden und Radwege, Schuster und Kinderschuhladen gefordert. Drollige Wünsche! Dabei hat doch Berg-am-Laim genau die Versorgung, die die Bevölkerung auch in Anspruch nimmt. Neu entstandene Hotels für Messebesucher, Zocker-Spielhallen und billige Supermärkte, ach ja und die Münchner Tafel erfreut sich mittlerweile auch hier großer Beliebtheit. Wie Robert Kulzer als Bezirksausschussvorsitzender zu Recht bemerkte, waren von den 42 000 Berg-am-LaimerInnen nur ein kleiner Teil anwesend. Die große Mehrheit wird wahrscheinlich auch nicht mit den Bildungsangeboten des geplanten Kulturbürgerhauses erreicht werden, obwohl die vielen Nachbarschaftstreffs in ihren Möglichkeiten wirklich gute Arbeit machen. Nein, wo Armut versteckt oder sichtbar lähmend wirkt, wird kein vernünftiges Miteinander aller möglich sein! Kinderarmut und Altersarmut sind beschämend verbreitet. Darauf muss das Augenmerk gelegt werden, dass diese Armut beseitigt und nicht nur bevormundend verwaltet wird. Dann wird eine Berg-am-Laimer Gemeinschaft mit abwechslungsreichen Läden und Dienstleistungen in Handwerk, Pflege und Gastronomie ganz von selbst entstehen.

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