Nachlese zum Open-Air-Kinoabend in Berg am Laim

Auf eines konnten sich wohl alle BesucherInnen des ersten Berg am Laimer Open-Air-Kinoabends hinterher einigen: eigentlich ist es doch ein ziemliches Glück, dass wir in der Zeit und an dem Ort leben, an dem wir eben leben. Das hat zum einen der gezeigte Spielfilm eindrucksvoll vor Augen geführt: „Suffragette – Taten statt Worte“ handelt von einer nicht allzu fernen Vergangenheit – 1912 in London, um genau zu sein –, in der Frauen noch keinerlei Mitsprachrecht hatten. Nicht in der Arbeit, nicht in der Politik, letztendlich auch nicht im eigenen Heim. Und er handelt vom Streit für genau diese Rechte – was uns heute so selbstverständlich erscheint ist historisch unendlich hart erkämpft.

Sich in einer Zeit, in der Selbstverständlichkeiten ins Wanken geraten, genau darüber wieder Gedanken machen: das war das Ziel der Initiative „Berg am Laim für Demokratie, Freiheit und Europa“ (www.DemokratieFreiheitEuropa.de), die die Veranstaltung organisiert hat. Am 7.8. verwandelte sie daher den Berg am Laimer Grünen Markt für einen Abend in ein kleines Freilichtkino, mit dem Behr-Park als wunderschöne grüne Kulisse. Um die hundert Leute sind dann auch gekommen, um bei einer Limo oder einem Bier den schönen Vollmondabend gemeinsam im Stadtteil zu genießen.

Verbunden hat die Initiative den Kinoabend mit einer kleinen Diskussion mit lokalen Kulturschaffenden vorneweg – über die Frage, was denn von Kunst und Kultur zu erwarten ist, wenn gesellschaftliche Errungenschaften auf einmal wieder in Frage stehen. „Kunst muss erstmal gar nichts, sonst ist es nicht Kunst“, meint Sophia Mainka, Studentin an der Akademie der bildenden Künste. Aber eine Kunst, die sich nicht am Puls gesellschaftlicher Entwicklungen bewegt, läuft ins Leere, schiebt Stadträtin und Geschäftsführerin vom Pelkovenschlössel Julia Schönfeld-Knor hinterher. In jedem Fall braucht Kunst Freiheit, das sahen auch Designer Tom Garrecht und BR Musikredakteurin Evi Strehl so: Freiheit zum Widerspruch, Freiheit, auch unbequeme Themen in Angriff zu nehmen – so wie eben der gezeigte Film.

Am Ende haben viele BesucherInnen ihre eigene Freiheit nicht dazu genutzt, sofort nachhause zu gehen, sondern haben noch mit angepackt und den Platz ruckzuck aufgeräumt. Das war die letzte schöne Einsicht eines rundum gelungenen Abends: wenn alle zusammenhelfen, dann funktioniert’s einfach besser. Und außerdem wird es einem warm – bei einer mit am Ende 15 Grad nicht gerade lauen Nacht auch ein schöner Nebeneffekt.

Foto 1 &2  © Tom Garrecht

Mitveranstalter war der Trägerverein KulturBürgerHaus Berg am Laim.

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